Morgens im Wasser

Serie: strassenblick Ruhrgebiet

Es gibt Tage, die fangen einfach gut an.
Heute war so einer.

7.30 Uhr. Aufgewacht, kurz überlegt – und dann die Entscheidung: Schwimmen.
Nicht irgendwo. Sondern im Hesse-Bad in Essen-Dellwig.
Freibad. Draußen. Echt.

Letztes Jahr war ich schon öftejr hier. Monatskarte im Mai, fast schon Stammgast.
Und ich wusste noch: Das hier ist kein x-beliebiges Bad.
Das Hesse-Bad ist eine Institution im Essener Norden.

In der Woche geht’s hier schon um 6 Uhr los.
Zu früh für mich.
Ich bin eher Team 8.15 Uhr.

Also rauf auf meinen kleinen roten Sasy-Roller und die vier Kilometer rüber – vorbei am Rhein-Herne-Kanal, der hier gleich um die Ecke liegt und irgendwie immer mit dazu gehört.
Um 8.30 Uhr war ich im Wasser.

Kühl, klar – und überraschend angenehm.
So, dass man kurz innehält und denkt: Genau deshalb.

Bahn für Bahn. Und ein bisschen mehr.

Man ist hier nie allein.
Und das ist auch gut so.

Da ist dieser feste Trupp von Rentnern, die sich regelmäßig treffen.
Ich kenne einige noch vom letzten Jahr.
Man nickt sich zu, sagt „Morgen“ – und ist direkt wieder mittendrin.

Dann gibt es die stillen Bahnzieher.
Stoisch. Bahn für Bahn.
Konzentriert. Fast schon meditativ.

Und dazwischen: Gespräche.
Über Essen. Über früher. Über den Nachbarn.
Und natürlich auch über die, die heute nicht da sind.
„Der kommt sonst immer…“
„Ist bestimmt krank…“

Das ist kein großes Kino.
Aber genau das macht es aus.

Mehr als nur ein Freibad

Das Hesse-Bad funktioniert, weil hier Leute sind, die sich kümmern.
Und das merkt man.

Die Bademeister haben alles im Blick, ohne sich wichtig zu machen.
Die Grünflächen sind gepflegt – wie ein kleiner Park, nicht wie eine Liegewiese, die halt da ist.
Und vorne an der „Versorgungsstation“ – Imbiss, Kiosk, Treffpunkt in einem – läuft alles so, wie es laufen soll: unkompliziert, freundlich, ehrlich.

Kein Schnickschnack.
Aber genau richtig.

Einfach anfangen

Was mir heute wieder aufgefallen ist:
Hier wartet keiner auf den perfekten Moment.

Die Leute kommen.
Ziehen ihre Bahnen.
Quatschen.
Gehen wieder.

Ganz einfach.

Vielleicht ist das auch so ein Ruhrgebietsding.
Nicht lange überlegen.
Einfach machen.

Der eigentliche Start in den Tag

Bevor ich wieder auf den Sasy steige, gehe ich duschen.
Sauber, ordentlich, so wie man sich das wünscht.

Und irgendwie fühlt sich genau das an wie der eigentliche Beginn des Tages.
Nicht das Aufstehen.
Nicht der Kaffee.

Sondern dieser Moment danach.
Wenn das Wasser runterläuft, man wach ist, klar im Kopf – und bereit.

Für alles, was kommt.

Vier Kilometer zurück.
Der Tag kann losgehen.

(sy)

Website Freibad Hesse:
www.ruwa-dellwig.de

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