Heimat ist kein Kampfbegriff. Sie gehört uns allen.

Im Ruhrgebiet ist Heimat nichts Abstraktes. Sie riecht nach Zeche und Pommesbude, nach Regen auf Asphalt und Sommer auf dem Balkon. Sie klingt nach vielen Sprachen, nach Dialekten, nach Musik aus offenen Fenstern. Und sie funktioniert nur, weil Menschen hier gelernt haben, miteinander zu leben – trotz aller Unterschiede.

Umso problematischer ist es, was in den letzten Jahren mit dem Begriff „Heimat“ passiert ist.

Die extreme Rechte will Heimat besitzen

Rechte, nationalistische und faschistische Gruppen versuchen zunehmend, den Begriff Heimat für sich zu kapern. Sie laden ihn ideologisch auf, verengen ihn auf Abstammung, Ausgrenzung und ein „Wir gegen die anderen“.

Besonders perfide wird es, wenn sich extrem rechte Parteien oder Gruppierungen – wie die in Essen ansässige Partei „Die Heimat“ – den Begriff sogar namentlich aneignen. So entsteht der Eindruck, Heimat sei per se etwas Nationalistisches, etwas Abschottendes, etwas Undemokratisches.

Das ist nicht nur eine politische Strategie. Es ist ein bewusster Versuch, emotionale Begriffe zu besetzen, um demokratische Gesellschaften von innen zu spalten.

Die politische Linke macht es sich zu leicht

Auf der anderen Seite reagiert ein Teil der politischen Linken reflexhaft:
Der Begriff Heimat wird gemieden, misstrauisch betrachtet oder gleich ganz aus dem Sprachgebrauch verbannt.

Aus Angst vor rechter Vereinnahmung wird Heimat zum Tabuwort erklärt. Stattdessen spricht man lieber ausschließlich von Offenheit, Vielfalt, Internationalität – alles wichtige Werte. Doch wer Heimat nur als Problem sieht, überlässt sie am Ende genau denen, die sie ideologisch missbrauchen wollen.

Das ist kein Widerstand.
Das ist ein Rückzug.

Gerade im Ruhrgebiet ist Heimat immer plural

Das Ruhrgebiet weiß es besser. Diese Region war nie homogen, nie abgeschlossen, nie „rein“. Sie ist entstanden aus Zuwanderung, aus Arbeit, aus Brüchen und Neuanfängen.

Bergleute aus Osteuropa.
Gastarbeiter aus Südeuropa und der Türkei.
Vertriebene nach dem Krieg.
Geflüchtete aus aller Welt – gestern wie heute.

Heimat im Ruhrgebiet war immer etwas, das man sich erarbeitet hat – gemeinsam. Nicht durch Herkunft, sondern durch Alltag. Nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Nachbarschaft.

Heimat ist auch ein Thema von Flucht und Verlust

Viele Menschen wissen hier, was es bedeutet, Heimat zu verlieren. Durch Strukturwandel, durch Arbeitslosigkeit, durch Umbrüche. Andere wissen es, weil sie vor Krieg, Verfolgung oder Hunger fliehen mussten.

Wer Flucht ernst nimmt, kann das Wort Heimat nicht einfach streichen. Denn Heimatlosigkeit ist real. Und der Wunsch nach einer neuen Heimat ist kein Rückschritt, sondern ein zutiefst menschliches Bedürfnis.

Man kann eine alte Heimat vermissen – und trotzdem hier eine neue finden. Beides widerspricht sich nicht.

Heimat ist kein Besitz, sondern ein Versprechen

Heimat lässt sich nicht verteidigen, indem man Mauern baut. Sie entsteht, wenn Menschen teilhaben dürfen. Wenn sie gesehen werden. Wenn sie mitgestalten können.

Im Ruhrgebiet bedeutet Heimat:

  • Solidarität statt Angst
  • Vielfalt statt Einfalt
  • Demokratie statt völkischem Denken

Wer Heimat auf Blut, Boden oder Herkunft reduziert, hat dieses Ruhrgebiet nicht verstanden. Und wer Heimat aus Angst vor Missbrauch aufgibt, ebenfalls nicht.

Heimat zurückholen – nicht den Rechten überlassen

Heimat ist zu wichtig, um sie Extremisten zu überlassen. Und zu wertvoll, um sie aus falscher Vorsicht zu verschweigen.

Sie gehört den Menschen, die hier leben.
Jeden Tag.
Im Pott.
Im Revier.
Im Ruhrgebiet.

Heimat ist kein Kampfbegriff.
Sie ist unser gemeinsamer Raum.
Und der bleibt offen.

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