Zeche Zollverein, Essen. Beim Forum Klimaneutrales Ruhrgebiet ging’s um nichts Geringeres als die Zukunft. Energie, Industrie, Finanzen – und vor allem: Haltung. Einer der Vorträge stach besonders heraus. Kristina Jeromin, Expertin für Transformationsfinanzierung, sprach über „Kapital für morgen“ – und machte klar: Der Wandel kommt. Die Frage ist nur, ob wir ihn selbst gestalten oder uns gestalten lassen.
Jeromin brachte vieles auf den Punkt, was im Ruhrgebiet längst in der Luft liegt: Das alte Schwarz-Weiß-Denken hilft uns nicht mehr weiter. Statt Kulturkampf braucht es Zusammenhalt, statt Endlos-Debatten endlich Mut zur Umsetzung. Dekarbonisierung ist kein Luxus, sondern Grundlage für künftigen Wohlstand. Nicht alles wird gleichzeitig möglich und finanzierbar sein – aber das war im Revier nie anders. Wer hier was aufbaut, weiß: Erfolg braucht Fokussierung.
Kristina Jeromin
Besonders wichtig: Finanzwelt und Realwirtschaft müssen an einem Strang ziehen. Die EU-Taxonomie (ein Klassifikationssystem, das festlegt, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als ökologisch nachhaltig gelten) und das Konzept von Sustainable Finance (eine Finanzstrategie, die Kapitalströme gezielt in nachhaltige Projekte lenkt) sind keine Bürokratie-Monster, sondern Werkzeuge, um Zukunft zu finanzieren – auch hier bei uns im Ruhrgebiet. Denn: Ohne Daten ist Raten. Ohne Ziel kein Weg.
Statt ständig über Regulierung zu schimpfen, sollten wir sie als Teil des Fortschritts begreifen. Ein Markt funktioniert nur, wenn er gute Leitplanken hat. Markt und Staat – das ist kein Gegensatz, das ist Teamarbeit.
Das Revier hat wieder Dampf – aber diesmal grün. Kohle war gestern. Heute geht’s um Ideen, Haltung und Investitionen in die Zukunft. Beim Forum Klimaneutrales Ruhrgebiet auf der Zeche Zollverein zeigte sich: Das Revier ist bereit für den nächsten großen Wandel – wenn wir ihn gemeinsam anpacken.
Und trotzdem: Wirtschaft darf nicht darauf warten, dass alles perfekt geregelt ist. Die Rahmenbedingungen sind selten ideal – und doch gibt es schon heute Handlungsspielräume, um anzupacken, Neues zu erproben und Veränderung zu gestalten. Wer diese Chancen nutzt, kann Regulierung im besten Fall positiv mitentwickeln, statt ihr nur hinterherzulaufen. Genau dieses proaktive Handeln war immer eine Stärke des Ruhrgebiets – Ärmel hoch, machen, lernen, besser werden.
Ein Staat, der an sich glaubt, investiert in sich selbst. Das gilt auch fürs Ruhrgebiet. Wenn wir unsere Stärke erkennen – Infrastruktur, Know-how, Zusammenhalt – dann können wir daraus Kapital schlagen, im besten Sinne des Wortes.
Jeromin forderte mehr Verlässlichkeit in der Politik – weniger Wahlkampf, mehr Miteinander. Denn wer bei zentralen Themen wie Klimaschutz oder Industriepolitik ständig hin und her rudert, schafft Unsicherheit. Und Unsicherheit ist Gift für jede Investition. Das Ruhrgebiet braucht klare Ansagen, gemeinsame Zielbilder und Partner, die anpacken.
Der Blick über den Tellerrand zeigt: In Ländern wie Dänemark wird nicht lange diskutiert, da wird gemacht. Dort arbeiten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft an einem Strang – und genau das brauchen wir hier auch. Deutschland als Teil eines starken Europas, das gemeinsam an Lösungen arbeitet – bis runter in die Kommunen. Transformation beginnt vor Ort.
Und vielleicht steckt genau darin die Chance für das Ruhrgebiet: aus dem Wandel Kapital zu machen – nicht nur finanziell, sondern gesellschaftlich. Geld ist richtungslos. Es wird dorthin fließen, wo Zukunft entsteht. Wenn wir also heute die Weichen stellen – für neue Industrien, kluge Energie, grüne Innovation – dann kann aus dem Ruhrgebiet wieder werden, was es schon einmal war: ein Herzstück des Fortschritts.
Die Botschaft von Zollverein war klar: Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Jetzt heißt es wieder: Anpacken. Gemeinsam. Für morgen.
Illustration: Copyright Jonas Heidebrecht
Forum Klimaneutrales Ruhrgebiet Datum: 04. November 2025 Ort: Zeche Zollverein Website zur Veranstaltung